{"id":115,"date":"2008-04-03T21:22:42","date_gmt":"2008-04-03T20:22:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/2008\/04\/03\/live-von-der-hcm-7-konferenz-tag-4\/"},"modified":"2008-04-03T21:22:42","modified_gmt":"2008-04-03T20:22:42","slug":"live-von-der-hcm-7-konferenz-tag-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/2008\/04\/03\/live-von-der-hcm-7-konferenz-tag-4\/","title":{"rendered":"Live von der HCM 7 Konferenz: Tag 4"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/pict4889.JPG\" title=\"4_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/pict4889.JPG\" alt=\"4_1.jpg\" align=\"right\" border=\"0\" height=\"225\" width=\"300\" \/><\/a>Am heutigen Tag dreht sich alles um die Asteroiden. <strong>Rodney Gomes<\/strong> (Observat\u00f3rio Nacional, Brasilien) gab zu Beginn einen \u00dcbersichtsvortrag \u00fcber den Kuiperg\u00fcrtel: &#8222;<em>The Kuiper Belt Dynamics&#8220; (Die Dynamik des Kuiperg\u00fcrtels)<\/em>. Der Kuiperg\u00fcrtel ist eine gro\u00dfe Ansammlung von Asteroiden au\u00dferhalb der Bahn von Neptun. Er wurde zwar schon fr\u00fch postuliert; das erste tats\u00e4chlich Objekt im Kuiperg\u00fcrtel wurde allerdings erst 1992 entdeckt. Heute kennt man schon hunderte Asteroiden, die sich dort befinden &#8211; und manche ihrer Eigenschaften konnte man sich lange nicht erkl\u00e4ren (auch heute noch wird daran geforscht). Viele der Kuiperg\u00fcrtelobjekte haben gro\u00dfe Bahnneigungen und Exzentrizit\u00e4ten; in der N\u00e4he von Pluto befinden sich viele Asteroiden mit besonders gro\u00dfen Abweichungen von der Kreisbahn (&#8222;Plutinos&#8220;); der Kuiperg\u00fcrtel endet bei etwa 50 Astronomischen Einheiten &#8211; das sind alles Dinge, die man mit den ersten, einfachen Rechnungen nicht erkl\u00e4ren konnte. Geht man von einer flachen, ringf\u00f6rmigen Verteilung der Asteroiden aus (so wie es in der Fr\u00fchzeit des Sonnensystems wahrscheinlich der Fall war) und berechnet der Bahnen bis zum heutigen Zeitpunkt, dann erh\u00e4lt man eine Verteilung der Asteroiden, die der aktuellen \u00e4hnlich ist. Aber manche Sachen lassen sich eben nicht so einfach erkl\u00e4ren. Man muss die Modelle also erweitern. Man kann z.B. die <em>Migration<\/em> von Neptun ber\u00fccksichtigen. &#8222;Migration&#8220; bedeutet, dass Neptun in der Fr\u00fchzeit des Sonnensystems ganz langsam ein kleines St\u00fcckchen nach au\u00dfen gewandert ist (Grund daf\u00fcr ist seine gravitative Interaktion mit den Asteroiden). Wird dieser Effekt in den Simulation ber\u00fccksichtigt, kann man die aktuelle Verteilung der Asteroiden schon besser erkl\u00e4ren; ganz stimmt es aber immer noch nicht. Es gibt daher mehrere m\u00f6gliche Modelle, um auch noch die restlichen Probleme auszur\u00e4umen. Es w\u00e4re beispielsweise m\u00f6glich, dass sich (ganz) fr\u00fcher noch ein weiterer Planet um die Sonne bewegte, der die Kuiperg\u00fcrtelasteroiden beeinflusst hat und sp\u00e4ter aus dem Sonnensystem ausgeworfen wurde. Es kann auch sein, dass sich weiter draussen im Kuiperg\u00fcrtel noch ein kleinerer, bisher unentdeckter Planet befindet dessen Einfluss f\u00fcr die aktuelle Verteilung der Asteroiden verantwortlich ist. Wie auch immer die richtige L\u00f6sung aussieht &#8211; in den \u00e4u\u00dferen Bereichen des Sonnensystems ist jedenfalls noch viel zu entdecken!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/pict4890.JPG\" title=\"4_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/pict4890.JPG\" alt=\"4_2.jpg\" align=\"right\" border=\"0\" height=\"225\" width=\"300\" \/><\/a>Der zweite Vortrag des Tages besch\u00e4ftigte sich mit Doppelasteroiden. <strong>Daniel Scheeres<\/strong> (University of Colorado, USA) sprach \u00fcber <em>&#8222;Dynamics of Binary Asteroids&#8220; (Dynamik von Doppelasteroiden)<\/em>. Es gibt sehr viele Asteroiden, die von kleineren Asteroiden umkreist werden &#8211; man sch\u00e4tzt, das etwa 15% der erdnahen Asteroiden solche Begleiter haben. Scheeres hat nun zuerst untersucht, wie solche Doppelasteroiden \u00fcberhaupt entstehen k\u00f6nnen. Das l\u00e4uft vermutlich folgenderma\u00dfen ab: viele Asteroiden sind keine einzelnen, festen Gesteinsbrocken &#8211; sondern eher &#8222;<em>rubble piles<\/em>&#8222;: Steinhaufen, die von einer Schicht aus Staub bedeckt gemeinsam durchs All fliegen. Auf dem Bild des Asteroiden <em>Itokawa<\/em> kann man das sch\u00f6n sehen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/antwrp.gsfc.nasa.gov\/apod\/image\/0704\/itokawa07_hayabusa_big.gif\" height=\"191\" width=\"358\" \/><\/p>\n<p>Er besteht aus einem gr\u00f6\u00dferen und einem kleineren St\u00fcck, lose verbunden durch Ger\u00f6ll und Staub. Ob diese St\u00fccke nun verbunden bleiben oder auseinanderfliegen h\u00e4ngt vor allem von der Rotationsgeschwindigkeit des Asteroids ab. Rotiert er schnell, kann es passieren, dass der Steinhaufen sich aufl\u00f6st und einzelne St\u00fccke davonfliegen. Durch die Strahlung der Sonne kann nun so ein Asteroid aufgeheizt werden. Diese Energie wird wieder abgestrahlt und im Endeffekt f\u00fchrt dies unter Umst\u00e4nden zu einer sehr schwachen Drehkraft, die auf den Asteroiden wirkt (&#8222;<em>YORP-Effekt<\/em>&#8222;). Dadurch kann die Rotation eines Asteroiden beschleunigt oder abgeschw\u00e4cht werden. Der Asteroid Itokawa rotiert derzeit einmal in 12 Stunden um seine eigene Achse. W\u00fcrde sich diese Geschwindigkeit verdoppeln, w\u00fcrde er sich aufspalten und es k\u00f6nnte ein Doppelasteroid entstehen: beide Bruchst\u00fccke w\u00fcrden einander umkreisen. Scheeres hat in seiner Arbeit nun die Umst\u00e4nde untersucht, untder denen so eine Aufspaltung stattfinden kann und gezeigt, wann daraus Doppelasteroiden entstehen k\u00f6nnen und wann nicht.<\/p>\n<p>Nach der Kaffeepause ging es mit den Asteroiden weiter: <strong>Joachim Schubart<\/strong> (ARI Heidelberg, Deutschland) sprach \u00fcber <em>&#8222;Numerical studies of chaotic Hilda-type orbits&#8220; (Numerische Studien der chaotischen Hilda-Bahnen)<\/em> und <strong>Irina Tupikova<\/strong> hielt einen Vortrag zum Thema <em>&#8222;Towards an analytical theory of asteroid motion with fully interacting perturbing planets&#8220; (Eine analytische Theorie der Asteroidenbewegung mit voll interagierenden st\u00f6renden Planeten)<\/em>. Beide Vortr\u00e4ge werde ich hier nicht n\u00e4her erkl\u00e4ren &#8211; dazu waren sie zu technisch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/pict4893.JPG\" title=\"4_3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/pict4893.JPG\" alt=\"4_3.jpg\" align=\"right\" border=\"0\" height=\"225\" width=\"300\" \/><\/a>Der n\u00e4chste Vortrag wurde von <strong>Giovanni Valsecchi <\/strong>(Universit\u00e4t Rom, Italien) gehalten. Er sprach \u00fcber <em>&#8222;Collision solutions in orbital element space&#8220; (Kollisionsl\u00f6sungen im Raum der Bahnelemente)<\/em>. Das ist ein sehr interessantes Thema: es geht dabei n\u00e4mlich um die Bahnbestimmung von erdnahen Asteroiden und darum, herauszufinden, ob sie mit der Erde kollidieren oder nicht. Das ist n\u00e4mlich gar nicht so einfach. In den Sci-Fi Kinofilmen sieht man ja meist immer einen Astronomen, der eben mal durchs Teleskop sieht, einen neuen Asteroiden findet und dann hektisch irgendwelche Daten in den Computer tippt. Der reagiert prompt mit einer tollen 3-D Animation der Bahn die dramatisch in einer Kollision mit der Erde endet. Abgesehen davon, dass man auch nicht einfach mal mit nem Blick durch ein Teleskop einen Asteroiden entdecken kann ist die Bahnbestimmung in Wirklichkeit nat\u00fcrlich auch viel schwerer. Mit einer einzigen Beobachtung funktioniert das \u00fcberhaupt nicht. Normalerweise braucht man mindestens drei unterschiedliche Positionsbestimmungen um eine Bahn ausrechnen zu k\u00f6nnen. Und die sollten nach M\u00f6glichkeit auch zeitlich ein bisschen weiter auseinander liegen. So ein Asteroide bewegt sich im Laufe einer Nacht ja nur ein kleines St\u00fcckchen am Himmel &#8211; um gute Daten zu bekommen sollte man also am Besten Beobachtungen in mehreren N\u00e4chten machen. Aber auch dann hat man meistens nur wenige Daten zur Verf\u00fcgung &#8211; und wie man aus so wenigen Daten eine Bahn bestimmen kann, ist das Arbeitsgebiet von Giovanni Valsecchi. Jede Beobachtung ist nat\u00fcrlich auch noch mit Fehler behaftet &#8211; das l\u00e4sst sich nie vermeiden. Also ist auch die bestimmte Bahn nicht exakt bekannt. Um herauszufinden, ob ein Asteroid mit der Erde kollidiert oder nicht muss man nun diese Fehler ber\u00fccksichtigen und alle m\u00f6glichen Bahnen bestimmen, die innerhalb der Fehlergrenzen liegen. Je nachdem, wieviele dieser Bahnen dann mit der Erde kollidieren oder nicht kann man eine\u00a0 Kollisionswahrscheinlichkeit berechnen. In seinem Vortrag hat Giovanni nun ein paar neue Eigenschaften seiner Methoden zur Bahnberechnung pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/pict4894.JPG\" title=\"4_4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/pict4894.JPG\" alt=\"4_4.jpg\" align=\"right\" height=\"225\" width=\"300\" \/><\/a><strong>Siegfried Eggl<\/strong> (Universit\u00e4t Wien, \u00d6sterreich) setzte in seinem Vortrag <em>&#8222;On the orbit determination of near earth asteroids via simultaneous observations by two satellites&#8220; (\u00dcber die Bahnbestimmung von erdnahen Asteroiden mittels simultaner Beobachtung mit 2 Satelliten)<\/em> das Thema fort. Er stellte eine Methode vor, mit der sich die Bahn eines Asteroiden schon mit nur 2 Beobachtungen bestimmen l\u00e4sst. Dazu benutzt man 2 Satelliten, die sich m\u00f6glichst weit voneinander entfernt in einer Bahn um die Sonne bewegen. Wenn diese Satelliten nun simultan das gleiche Objekt beobachten, l\u00e4sst sich die Bahn viel einfacher bestimmen. Die Beobachtung vom Weltraum hat nat\u00fcrlich auch noch weitere Vorteile: man ist nat\u00fcrlich im Weltraum und kann ohne st\u00f6rende Erdatmosph\u00e4re viel besser beobachten. Ausserdem hat man von dort eine bessere &#8222;Sicht&#8220; auf manche Asteroiden die von der Erde aus gesehen zu nahe an der\u00a0 Sonne stehen w\u00fcrden, um gut beobachtet zu werden. Wenn so ein System von Satelliten wirklich einmal funktionieren sollte, dann w\u00e4re das ein tolles Fr\u00fchwarnsystem f\u00fcr Kollisionen mit Asteroiden!<\/p>\n<p>Der Nachmittag fing wieder etwas theoretisch an: <strong>Bonnie Steves<\/strong> (Universit\u00e4t Glasgow, Gro\u00dfbritannien) sprach \u00fcber <em>&#8222;Periodic Orbits in the Caledonian Symetric 4 Body Problem&#8220; (Periodische Bahnen im symmetrischen 4 K\u00f6rper &#8222;Kaledonien-Problem&#8220;)<\/em>. Dieses Problem ist ein Spezialfall der 4 K\u00f6rperbewegung bei der die 4 Objekte immer ein Parallelogram bilden. Genau wie das Sitnikovproblem ist auch das ein System, das von den Astronomen zur vereinfachten Untersuchung dynamischer Systeme verwendet wird.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes war <strong>ich<\/strong> an der Reihe! Mein Vortrag \u00fcber <em>&#8222;Fuzzy Characterisation of Near-Earth-Asteroids&#8220; (Charakterisierung von erdnahen Asteroiden mit Methoden der Fuzzy Logic)<\/em> kam ziemlich gut an. Es gab danach viele interesierte und interessante Fragen; auch sp\u00e4ter beim Abendessen haben mich noch einige Leute darauf angesprochen und wollten mehr wissen. Ich bin also ziemlich zufrieden \ud83d\ude09 Und werde sp\u00e4ter noch einen sehr ausf\u00fchrlichen, allgemeinverst\u00e4ndlichen Beitrag zu meinem Vortragsthema verfassen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/pict4897.JPG\" title=\"4_5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/pict4897.JPG\" alt=\"4_5.jpg\" align=\"right\" border=\"0\" height=\"225\" width=\"300\" \/><\/a><strong>Christoph Lhotka<\/strong> (Universit\u00e4t Wien, \u00d6sterreich) war der Letzte des heutigen Tages. Sein Thema <em>&#8222;The Hadjidimetriou mapping revisited&#8220; (Neue Betrachtung des Hadjidemetriou Mappings)<\/em> war heute das einzige, das nicht mit Asteroiden zu tun hatte. Dabei ging es wieder, wie gestern, um ziemlich heftige Mathematik zur Untersuchung chaotischer Systeme.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am heutigen Tag dreht sich alles um die Asteroiden. Rodney Gomes (Observat\u00f3rio Nacional, Brasilien) gab zu Beginn einen \u00dcbersichtsvortrag \u00fcber den Kuiperg\u00fcrtel: &#8222;The Kuiper Belt Dynamics&#8220; (Die Dynamik des Kuiperg\u00fcrtels). Der Kuiperg\u00fcrtel ist eine gro\u00dfe Ansammlung von Asteroiden au\u00dferhalb der Bahn von Neptun. 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