{"id":59,"date":"2008-03-14T00:35:19","date_gmt":"2008-03-13T22:35:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/2008\/03\/14\/der-mysterioese-meteorit-aus-peru\/"},"modified":"2008-05-02T21:38:16","modified_gmt":"2008-05-02T20:38:16","slug":"der-mysterioese-meteorit-aus-peru","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.astrodicticum-simplex.de\/wordpress\/2008\/03\/14\/der-mysterioese-meteorit-aus-peru\/","title":{"rendered":"Der mysteri\u00f6se Meteorit aus Peru"},"content":{"rendered":"<p>Am 15. September 2007 ist in Carancas in Peru ein Meteorit mit der Erde kollidiert und hat einen kleinen Krater erzeugt. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/gesundheit\/artikel\/842\/133593\/\" target=\"_blank\">Die<\/a> <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/wissen\/wissenschaft\/astronomie\/peru_aid_133226.html\" target=\"_blank\">Zeitungen<\/a> und das <a href=\"http:\/\/www.badastronomy.com\/bablog\/2007\/09\/18\/meteorite-mayhem-part-i\/\" target=\"_blank\">Internet<\/a> waren damals voll mit Meldungen &#8211; vor allem deswegen, weil es bei diesem Impakt seltsame Begleiterscheinungen gegeben hat. Das Wasser, das sich im Impaktkrater gesammelt hat soll gekocht bzw. gebrodelt haben; vielen Menschen ist durch &#8222;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/0,1518,506722,00.html\" target=\"_blank\">giftige D\u00e4mpfe<\/a>&#8220; beim Krater \u00fcbel geworden&#8230; Die ganze Geschichte hatte ein bisschen was von einer Akte-X Folge \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Wissenschaftler haben das Ganze nat\u00fcrlich untersucht. Und bei der gerade stattfindenden <a href=\"http:\/\/www.lpi.usra.edu\/meetings\/lpsc2008\/\" target=\"_blank\">&#8222;39th Lunar and Planetary Science Conference&#8220;<\/a> wurden die ersten Ergebnisse vorgestellt. Das war nat\u00fcrlich auch dem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/weltall\/0,1518,541024,00.html\" target=\"_blank\">Spiegel<\/a> eine Meldung wert die ich heute morgen gelesen habe. Der Verfasser hat dabei aber ein paar Sachen durcheinander gebracht &#8211; und die m\u00f6chte ich hier klarstellen.<\/p>\n<p>Der Artikel beginnt gleich mal recht rei\u00dferisch:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der Aufprall stellte die Wissenschaftler vor ein R\u00e4tsel: Wie kann ein Meteorit einen \u00fcber zehn Meter gro\u00dfen Einschlagskrater erzeugen?&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dinge, die Wissenschaftler nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, m\u00f6gen Journalisten ja besonders gerne \ud83d\ude09 Wie ein Meteorit einen \u00fcber zehn Meter gro\u00dfen Einschlagskrater erzeugen kann, das wissen sie allerdings. (Fast) Alles, das aus dem Weltall auf die Erde f\u00e4llt bewegt sich so schnell, das es einen Krater erzeugen wird (wenn es nicht gerade im Wasser landet). Das mysteri\u00f6se an diesem Krater war etwas ganz anderes &#8211; aber dazu gleich mehr.<\/p>\n<p><em>&#8222;Meteoriten aus Stein werden beim Eintreten in die Atmosph\u00e4re infolge der extremen Reibung normalerweise in kleinste Brocken zerlegt &#8211; nur solche aus Metall k\u00f6nnen die Erdoberfl\u00e4che \u00fcberhaupt im Ganzen erreichen&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Hier kommen wir dem Problem schon n\u00e4her: es gibt Meteoriten aus Stein und Meteoriten aus Eisen (und noch eine Mischform aus Stein und Eisen &#8211; die ist aber sehr selten). Und die Steinmeteorite werden tats\u00e4chlich durch die Reibungshitze st\u00e4rker beansprucht als die aus Eisen. <em>Kleine<\/em> Steinmeteorite vergl\u00fchen also wirklich in der Erdatmosph\u00e4re (alle Objekte kleiner als etwa 50 bis 60 m Durchmesser). Die gr\u00f6\u00dferen erreichen allerdings den Erdboden &#8211; nat\u00fcrlich oft in Bruchst\u00fccken &#8211; aber wenn z.B. ein Meteorit mit mehreren hundert Metern Durchmesser in der Atmosph\u00e4re zerbricht bleiben immer noch gen\u00fcgend gro\u00dfe Bruchst\u00fccke \u00fcbrig, um ordentliche Krater zu schlagen. Bei der <a href=\"http:\/\/www.unb.ca\/passc\/ImpactDatabase\/\" target=\"_blank\">Earth Impact Database<\/a> kann man sich jede Menge dieser Krater ansehen. Eisenmeteorite erreichen &#8211; so wie im Artikel beschrieben &#8211; wirklich meist im Ganzen die Erdoberfl\u00e4che. Der n\u00e4chste Satz im Artikel ist allerdings wieder etwas fragw\u00fcrdig:<\/p>\n<p><em>&#8222;&#8218;Metallmeteoriten erzeugen jedoch keine Krater&#8216;, sagte Peter Schultz jetzt auf der 39. Lunar and Planetary Science Conference in League City.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Hmm &#8211; also auch Metallmeteorite landen nicht einfach sanft auf dem Boden \ud83d\ude09 Der <a href=\"http:\/\/www.meteorcrater.com\/index.php\" target=\"_blank\">Barringer-Krater<\/a> in Arizona ist ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/c\/cf\/Meteor.jpg\/800px-Meteor.jpg\" height=\"243\" width=\"400\" \/><\/p>\n<p>Laut Spiegel Artikel passiert folgendes:<\/p>\n<p><em>&#8222;&#8220;Die Atmosph\u00e4re bremst sie ab&#8220;, erkl\u00e4rte der Forscher von der Brown University in Rhode Island. Beim Aufprall entstehe ein Loch im Boden, das einer Grube gleiche, nicht aber wie ein Krater aussehe.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Also ich kenne Peter Schultz nicht pers\u00f6nlich &#8211; aber ich bin mal davon ausgegangen, das er hier irgendwie falsch zitiert bzw. falsch \u00fcbersetzt wurde. Und auf <a href=\"http:\/\/www.redorbit.com\/news\/space\/1291114\/scientist_reveals_how_peruvian_meteorite_fell_to_earth\/index.html\" target=\"_blank\">redOrbit<\/a> findet man tats\u00e4chlich das selbe Zitat nochmal auf englisch &#8211; und diesmal macht es viel mehr Sinn:<\/p>\n<p><em>&#8222;\u201cNormally with a small object like this, the atmosphere slows it down, and it becomes the equivalent of a bowling ball dropping into the ground,\u201d Schultz said. \u201cIt would make a hole in the ground, like a pit, but not a crater. But this meteorite kept on going at a speed about 40 to 50 times faster than it should have been going.\u201d&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das ist das eigentlich Mysterium bei diesem Krater (rechts im Bild). Das, was<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.redorbit.com\/modules\/imglib\/resize.php?Url=\/modules\/news\/upload\/ae4dedd677a5d8ef725455dcc65bd8a8.jpg&amp;resize_type=fixed&amp;width=250&amp;height=180\" align=\"right\" height=\"180\" width=\"250\" \/><\/p>\n<p>da eingeschlagen hat, war kein Eisenmeteorit (denn man hat keine entsprechende \u00dcberreste gefunden). Ein Steinmeteorit, der einen so kleinen Krater verursacht, muss sehr klein sein &#8211; und wird dann, so wie Schultz es gesagt hat, in der Atmosph\u00e4re abgebremst. Das ist hier aber nicht passiert.<\/p>\n<p>Ich habe mir mal den <a href=\"http:\/\/www.lpi.usra.edu\/meetings\/lpsc2008\/pdf\/2409.pdf\" target=\"_blank\">Artikel<\/a> zu Schultz&#8216; Vortrag angesehen. Seine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Vorg\u00e4nge bei diesem Impakt ist folgende:<\/p>\n<p><em>&#8222;(&#8230;) weak or fragmented objects reshape during entry, thereby minimizing aerodynamics drag and stresses. In this case, the mach cone prevents fragments from escaping the mach cone, rather than spreading the fragments apart (&#8230;)&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der Meteorit k\u00f6nnte also in der Atmosph\u00e4re aufgeschmolzen sein und dabei eine aerodynamisch optmimale Form angenommen haben weswegen er nicht so stark abgebremst wurde wie erwartet und schnell genug war, um diesen Krater zu verursachen. Die Schockwelle, die diese Fragemente aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit produzieren, h\u00e4lt sie dann zusammen so dass alle nahe beieinander einschlagen und es nur einen Krater gibt und kein Kraterfeld, wie man es bei einem auseinanderbrechenden Steinmeteoriten erwarten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Entdeckung, das so etwas m\u00f6glich ist, ist h\u00f6chst interessant &#8211; und auch wichtig. Im Bericht von redOrbit wird Schultz nochmal zitiert:<\/p>\n<p><em>&#8222;\u201cYou just wonder how many other lakes and ponds were created by a stony meteorite, but we just don\u2019t know about them because when these things hit the surface they just completely pulverize and then they weather,\u201d said Schultz, director of the Northeast Planetary Data Center and the NASA\/Rhode Island University Space Grant Consortium.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte also noch viel mehr kleine Meteoritenkrater auf der Erde geben &#8211; die wir bisher nicht bemerkt haben weil wir davon ausgegangen sind, das sie nicht existieren k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Alles in allem eine sehr interessante Geschichte. Und der Spiegel hat nur ein paar kleine Fehler beim \u00dcbersetzen gemacht &#8211; die hier leider aber stark verschleiern, worum es bei diesem Problem eigentlich geht&#8230;<\/p>\n<p><font size=\"-3\">Ach ja: das kochende Wasser und die giftigen D\u00e4mpfe&#8230; Also gekocht hat das Wasser sicherlich nicht &#8211; daf\u00fcr hat der Meteorit zuwenig Energie. Aber es ist durchaus m\u00f6glich, das die komprimierte Luft die vor dem Meteoriten hergeschoben wurde und quasi gemeinsam mit ihm eingeschlagen ist dann nach dem Impakt wieder freigesetzt wurde &#8211; und da der Krater mit Wasser gef\u00fcllt war, hat es eben gebrodelt. Die Sache mit den D\u00e4mpfen und den Erkrankungen ist ein bisschen komplizierter &#8211; aber es ist wahrscheinlich so, das beim Impakt eventuell Schwefel und Arsen freigesetzt wurde &#8211; es ist  z.B. bekannt, das im <a href=\"http:\/\/news.nationalgeographic.com\/news\/2007\/09\/070921-meteor-peru.html\" target=\"_blank\">lokalen Grundwasser Arsenverbindungen<\/a> vorkommen.<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. September 2007 ist in Carancas in Peru ein Meteorit mit der Erde kollidiert und hat einen kleinen Krater erzeugt. Die Zeitungen und das Internet waren damals voll mit Meldungen &#8211; vor allem deswegen, weil es bei diesem Impakt seltsame Begleiterscheinungen gegeben hat. Das Wasser, das sich im Impaktkrater gesammelt hat soll gekocht bzw. 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