Astrodicticum Simplex

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Der Stern zum Wochenende: Egg Nebula

21.03.08 (Astronomie, Stern zum Wochenende, Wissenschaft)

Passend zum Osterwochenende möchte ich heute etwas über den „Egg Nebula“ (CRL2688), den „Ei-Nebel“, erzählen1. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen Nebel und keinen Stern. Aber was bedeutet „Nebel“ in der Astronomie? Ursprünglich wurden damit alle „nebelartigen“, also unregelmäßig flächenhaft leuchtenden Himmelskörper bezeichnet. Das konnten zum Beispiel Galaxien sein, oder Kugelsternhaufen. Heute verwendet man den Begriff im Allgemeinen für interstellare Wolken. Das sind Ansammlungen von Gas und Staub innerhalb unserer Galaxie. Beim Egg Nebula handelt es sich um einen protoplanetaren Nebel. Der Name ist ein wenig irreführend; mit Planeten hat dieser Nebel nichts zu tun. Ein protoplanetarer Nebel ist die Vorstufe eines sogenannten „planetarischen Nebels“. Dabei handelt es sich um eine Hülle aus Staub und Gas, die einen Stern umgibt. So eine Hülle entsteht, wenn ein alter Stern am Ende seiner Entwicklung Material ausstößt.

Auch im Zentrum des Ei-Nebels befindet sich also ein Stern. Allerdings ist er – eben wegen der ihn umgebenden Staubhülle – nicht zu sehen. Im Bild oben erkennt man einen etwa vertikal verlaufenden dunklen Streifen in der Mitte des Nebels. Genau dort (bzw. dahinter) befindet sich der Stern. Dieser Stern war einmal ein roter Riese. Normalerweise laufen die nuklearen Reaktionen, die einen Stern zum Leuchten bringen, nur im Kern des Sterns ab. Am Ende des „Lebens“ eines Sterns können diese Reaktionen aber auch in den äußeren Schichten des Sterns stattfinden wodurch sich seine Temperatur erhöht und sich der Stern stark ausdehnt: er wird zu einem roten Riesen. Das ist auch mit dem Zentralsstern des Egg Nebulas geschehen. Vor ein paar hundert Jahren allerdings hat er sich nochmal weiter entwickelt. Der rote Riese begann nach und nach seine äußersten Schichten abzustoßen2. Diese einzelnen Schalen erkennt man auch noch gut auf dem Bild.

Der dunkle Bereich in der Mitte, der den Stern verdeckt, ist mit ziemlicher Sicherheit eine Staubscheibe (über Scheiben habe ich schon bei Beta Pictoris geschrieben). Diese Scheibe blockiert den Großteil des Sternenlichts und lässt es nur an bestimmten Stellen durch. Dadurch entstehen die „Strahlen“, die auf dem Bild zu sehen sind.

Das Material wird mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 km/s ausgestoßen. Man braucht sich allerdings keine Sorgen machen, das wir auf der Erde davon etwas abbekommen – der Egg Nebula befindet sich in einer Entfernung von etwa 3000 Lichtjahren…

In Zukunft wird sich der Stern im Egg Nebula zu einem weißen Zwerg entwickeln der von einem planetarischen Nebel umgeben ist. Nachdem der rote Riese alle äußeren Hüllen abgestoßen hat, bleibt nur noch ein kleiner Kern übrig – der weiße Zwerg. Ein Beispiel dafür ist der bekannte Ringnebel im Sternbild Leier (Bild rechts).

Objekte wie der Egg Nebula sind sehr wichtig für die astronomische Forschung. Sie stellen einen Übergangszustand dar, der (astronomisch gesehen) nur sehr kurz dauert und daher sehr selten zu beobachten ist. Durch Untersuchungen an solchen Objekten lässt sich beispielsweise die Sternentwicklung besser verstehen.

Zum Abschluß noch ein schönes Zitat zu dieser Entwicklung, das unter anderem auch erklärt, wie der Nebel zu seinem Namen kam:

„Like a baby chick pecking its way out of an egg, the star in the center of the Egg Nebula is casting away shells of gas and dust as it slowly transforms itself into a white dwarf star.“

Wie ein kleines Kücken, das sich aus dem Inneren eines Eis herauspickt, wirft also auch der Stern im Egg Nebula Schicht um Schicht aus Gas und Staub ab, bis er schließlich als weißer Zwerg daraus hervorgeht. Ich wünsche alle Leserinnen und Lesern frohe Ostern!



Fußnoten:
1: Ich habe überlegt, ob ich vielleicht lieber etwas über den „Rotten Egg Nebula“ schreiben soll. Aber zu Ostern sind mir frische Eier lieber als verdorbene 😉
2: Ein roter Riese hat – durch die große Ausdehung – eine sehr geringe Dichte. Die äußeren Schichten sind nur schwach gravitativ gebunden und werden im Laufe der Zeit durch den starken Sternwind abgestoßen.

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Ein Kommentar

  • 1
    Monika:

    Hi Florian,
    Faszinierend, die Farben und was dahinter steckt. Habe als völliger Laie alles gut verstanden 😉 Schöner Beitrag- danke