Astrodicticum Simplex

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Der Stern zum Wochenende: Epsilon Eridani

14.03.08 (Astronomie, Stern zum Wochenende, Wissenschaft)

epseri.jpgDer Stern, über den ich heute etwas erzählen möchte, ist Epsilon Eridani. Er ist ein heller Stern mit einer Magnitude von 3.73 mag und gehört damit zu den Sternen, die gut mit freiem Auge zu sehen sind. Er ist auch nicht sehr weit von der Sonne entfernt – nur 10.5 Lichtjahre. Nur 8 bekannte Sterne sind näher an der Sonne als Epsilon Eridani. Von den Sternen, die man mit freiem Auge sehen kann, ist er der drittnächste (nach Alpha Centauri und Sirius). Er ist der Sonne sehr ähnlich: er hat 85% der Sonnenmasse und auch sein Radius beträgt 85% des Sonnenradius. Die Temperatur von Epsilon Eridani ist mit 5100 K ein bisschen kühler als die der Sonne. Mit einem Alter von 500 Millionen Jahre ist er allerdings deutlich jünger als die Sonne. Er ist ein K-Stern und seine Leuchtkraft beträgt auch nur ein Drittel der Sonnenleuchtkraft.

Epsilon Eridani befindet sich im Sternbild Eridanus („der Fluss Eridanus“) das in der nördlichen Hemisphäre gut sichtbar ist.

Dieser Stern wartet gleich mit einigen Besonderheiten auf. Ich habe vor 2 Wochen die Staubscheibe um den Stern Beta Pictoris beschrieben. 1998 hat man auch um Epsilon Eridani eine Staubscheibe (Bild links) entdeckt1. Diese Scheibe ist allerdings eher ein Ring – in er Mitte ist sie leer! Das ist ein deutliches Zeichen das sich aus dem Staub im Inneren Bereich mittlerweile Planeten gebildet haben. Tatsächlich haben Astronomen im Jahr 2000 dort einen Planeten entdeckt! Dieser Planet ist eineinhalb mal so schwer wie Jupiter und befindet sich in einer Entfernung von etwa 3.4 Astronomischen Einheiten von Epsilon Eridani (in unserem Sonnensystem würde er sich zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter befinden). Die Bahn des Planeten ist allerdings nicht annähernd kreisförmig wie bei den Planeten in unserem Sonnensystem sondern sehr stark elliptisch.

2006 hat man die Staubscheibe auch mit dem Hubble Weltraumteleskop untersucht. Dabei konnte auch die Existenz des Planeten definitiv nachgewiesen werden. Ausserdem stellte man fest, dass die Staubscheibe genau im gleichen Winkel geneigt ist wie die Bahn des Planeten. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Planet wirklich aus dem Material dieser Staubscheibe entstanden ist!

Das Bild der Staubscheibe (oben) zeigt die Konzentration des Staubs – je heller die Farbe desto mehr Staub. Man sieht deutlich, das der Staub nicht gleichmäßig verteilt ist sondern Klumpen bildet. Das ist ein Zeichen dafür, dass dort mindestens noch ein weiterer Planet existiert der durch seine gravitativen Störungen diese Verklumpungen verursacht. Der schon entdeckte Planet kann nicht dafür verantwortlich sein – er ist zu weit weg. Der innere Rand der Staubscheibe liegt bei etwa 35 Astronomischen Einheiten (der äußerste Planet in unserem Sonnensystem – Neptun – befindet sich bei 30 Astronomischen Einheiten). Damit bildet die Staub- und Asteroidenscheibe um Epsilon Eridani ein Gegenstück zum Kuipergürtel in unserem Sonnensystem. Auch dieser Asteroidengürtel beginnt bei etwa 40 Astronomischen Einheiten. Aus der Verteilung des Staubs um Epsilon Eridani hat man berechnet, das sich bei etwa 40 Astronomischen Einheiten noch ein kleinerer Planet mit etwa einem Zehntel der Jupitermasse befindet. Bis jetzt konnte er allerdings noch nicht durch Beobachtungen nachgewiesen werden.

Epsilon Eridani ist bis jetzt das einzige System, in dem Planeten nachgewiesen werden konnten und eine Staubscheibe direkt beobachtet wurde. Von allen Sternen um die bis jetzt Planeten gefunden wurden ist er außerdem derjenige, der der Sonne am nächsten liegt. Epsilon Eridani wäre also ein gutes Ziel, wollte man einmal einen extrasolaren Planeten besuchen. Passenderweise ist Epsilon Eridani auch in der Science-Fiction Literatur sehr stark vertreten. Die Raumstation Babylon 5, bekannt aus der gleichnamigen Fernsehserie, umkreist den dritten Planeten von Epsilon Eridani2. In Isaac Asimovs Foundation-Zyklus spielt der Planet Comporellon, der um Epsilon Eridani kreist eine wichtige Rolle. Und der Stern taucht auch noch in vielen weiteren Büchern, Filmen und Spielen auf. Man liest auch oft das Vulkan, der Heimatplanet des Vulkaniers Mr. Spock aus der Fernsehserie Star-Trek ein Planet des Sterns Epsilon Eridani sein soll – die echten Star-Trek Freaks (ich zähl mich mal nicht dazu, obwohl ich die Serie schon gerne mag 😉 ) wissen aber, das Vulkan um 40 Eridani kreist; ein anderer Stern im Sternbild Eridanus.

Aber auch wissenschaftlich hat man sich schon mit den Außerirdischen bei Epsilon Eridani beschäftigt: 1960 wurde der Stern im Rahmen des SETI-Projekts („Search for ExtraTerrestrial Intelligence“) nach Signalen einer möglichen außerirdischen Zivilisation untersucht. Leider ohne Erfolg… Aber Epsilon Eridani ist noch ein sehr junger Stern – wer weiß, was man dort in ein paar Millionen Jahre vorfinden kann…


Fußnoten:
1: Die Entdeckung der Staubscheibe fand 1998 statt und nicht 1988 wie in der Wikepdia (der englischen und der deutschen) zu lesen ist (war). Ich verlinke zwar oft auf die Wikipedia – aber man sollte alle Informationen die dort stehen immer mit Vorsicht genießen. Ich habe die Jahreszahl übrigens jetzt dort korrigiert.
2: Meine Güte, die englische Wikipedia hat wirklich zu allem und jedem das jemals in einer Fernsehserie aufgetaucht ist einen Artikel… 😉

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2 Kommentare

  • 1
    Andylee:

    Die Signale wurden natürlich nicht erwidert!

    Erstens wars (wie oben schon erwähnt) der falsche Planet und zweitens war Vulkan noch nicht wirklich aus dem Bürgerkrieg heraus, weshalb die andere Sorgen hatten als ein paar Primitivlinge, die sich mit Radiowellen spielen! 🙂

  • 2
    flo:

    Auf Vulkan gabs Bürgerkrieg?? Naja, ich bin wohl tatsächlich kein echter Trekkie 😉